Steckbrief: Antennenwelse


Antennenwelse werden auch im Volksmund gern als Scheibenknutscher bezeichnet, weil sie gern die Algen an den Scheiben abweiden, in dem sie sich dort mit ihrem Maul festsaugen und Stück für Stück vorwärts schieben.

Antennenwelse (lateinisch Ancistrus) gehören zur Familie der Harnischwelse, die über 500 verschiedene Arten enthält. Die kleinsten Vertreter sind nur etwa 4cm lang, während andere Arten bis zu 1m und mehr erreichen können. Die Heimat der Harnischwelse ist Südamerika, besonders der Amazonas mit seinen vielen Nebenflüssen. Da die Fischwelt dieser Region bis heute nicht bis ins letzte erforscht wurde, werden jedes Jahr neue Arten entdeckt. Die genaue Untersuchung und Einordnung der Tiere nimmt oft viele Jahre in Anspruch. Deshalb werden die Harnischwelse nach ihrem Fund erstmal mit Nummern bezeichnet, z.B. L156 oder LDA25 (wobei das L für die Familienbezeichnung Loricariidae - Harnischwelse steht).

Wenn von "Antennenwelsen" die Rede ist, so ist meist der am häufigsten in den Aquarien anzutreffende Braune Antennenwels (Ancistrus sp.) gemeint. Dieser soll daher auch im Mittelpunkt unserer Vorstellung stehen. Die Gattung Ancistrus enthält jedoch viele verschiedene Arten.
Alle Antennenwelse sind eher einzelgängerisch veranlagt. Besonders die Männchen können untereinander recht unverträglich sein. Trotzdem sollte man bei einem entsprechend grossen Becken versuchen 2 Tiere zu halten (z.B. 2 Weibchen oder ein Pärchen).

Antennenwelse sind häufig eher schüchtern und schreckhaft und liegen daher gern in ihren Verstecken. Aber gerade Abends oder wenn sie gefüttert werden, kommen sie hervorgekrochen, um sich satt zu fressen. Wenn man die Tiere beobachten will, sollte daher hektische Bewegungen vor dem Becken vermeiden.

Beckeneinrichtung:
Antennenwelse stellen an den Bodengrund keine besonderen Ansprüche. Sie fühlen sich auf Kies genauso wohl wie auf Sand. Bei Sandboden können sie allerdings zu wahren Buddelkönig werden und dabei Pflanzen mit kurzen Wurzeln ausgraben.

Auf jeden Fall sollte man darauf achten , das das Becken nicht zu klein ist. Antennenwelse erreichen eine Endgrösse von bis zu 15 cm und auch wenn sie keine Schwimmkünstler sind, sollte ihnen doch genügend "Auslauf" zur Verfügung stehen. Becken mit Kantenlänge ab 1m sind ideal.
Da Antennenwelse eher recht zurückgezogen leben, sollte man ihnen genügend Versteckmöglichkeiten anbieten. Wurzeln und Höhlen aus Ton sind ideal. Wurzeln sind auch für das Wohlbefinden der tiere wichtig, da sie gern das Holz abraspeln und die aufgenommenen Zellulose die Verdauung fördert.

Die Filterung sollte bei Antennenwelsen recht grosszügig gewählt werden, da sie doch recht viel Dreck machen. Auch darf gern etwas mehr Strömung im Becken sein. Gerade junge Antennenwelse versuchen hin und wieder direkt vor dem Ausgang des Filters zu surfen oder kriechen sogar in den Auslauf hinein.

Die Bepflanzung sollte aus robusten schnell wachsenden Pflanzen bestehen, z.B.Echinodoris, Cryptocorynen, Vallisnerien, Anubias. Wenn die Welse hungrig sind, vergreifen sie sich auch hin und wieder an den Blättern der Pflanzen.

Futter:
Antennenwelse sind fast ausschliesslich Vegetarier. Neben speziellen Futtertabletten mit einem hohen Algen und Spirulina-Anteil, kann man sie auch mit Obst und Gemüse glücklich machen. Vor allem Gurke, Zucchini und Paprika werden gern genommen. Häufig werden Antennenwelse als Wunderwaffe gegen Algenwuchs angepriesen, aber leider ist in dieser Hinsicht ihr Ruf besser als die Realität. Häufig weiden sie nämlich nur die Algen nach Kleinstlebewesen ab und lassen die Algen an sich in Ruhe. Eher noch werden sie sich in Hungerszeiten an den Pflanzen vergreifen.

Vergesellschaftung:
Die Vergesellschaftung mit anderen Fischen stellt im allgemeinen kein Problem dar. Als nahezu reine Bodenbewohner lassen sie sich mit "Schwimmfischen" jeder Art vergesellschaften. Bei den Wasserwerten gelten Antennenwelse als recht tolerant, so dass sie obwohl die in ihrem Ursprungsgebiet eher in weichem und sauren Wasser aufwachsen, im Aquarium auch im mittelharten leicht basischem Wasser gehalten werden können.
Nur untereinander sind sie wie bereits erwähnt häufig etwas unverträglich und jeder Wels benötigt ein entsprechend grosses Revier. Selbst Pärchen werden ausser zum Paarungsakt und eventuell beim Füttern, kaum zusammengesehen werden.

Vermehrung:
Gerade der braune Antennenwels gilt bei der Vermehrung als sehr produktiv. Hat man ein Pärchen im Becken und das Männchen findet eine entsprechende Höhle oder anderen Unterschlupf wird es in regelmässigem Abstand (etwa alle 4 Wochen) Nachwuchs grossziehen. Das Weibchen wird nur zur Eiablage in die Höhle gelassen. Danach befächert das Männchen regelmässig die Eier mit Wasser und wird selbst zum Fressen nur sehr selten die Höhle verlassen. Sind die Jungen geschlüpft verbleiben sie noch eine Weile in der Höhle bis sie sich in die grosse Freiheit hinauswagen. Sie sind etwa 2 cm gross und ernähren sich von Algen, Futterresten und knabbern auch gern an zarten Blättern der Pflanzen. Der Vater wird die Höhle erst verlassen, wenn alle Jungfische davongeschwommen sind. Meist wird er nach kurzer Zeit ein neues Gelege hüten.
Pro Gelege kommen zwischen 20 und 60 Jungtiere zur Welt, die wenn keine grösseren Fressfeinde im Becken sind, auch meist alle überleben. Dies kann auf Dauer zu einem echten Problem führen.
Zum einen verursachen die vielen Antennenwelse (auch wenn sie noch sehr klein sind) eine grosse Verschmutzung des Aquariums, was auf Dauer zu einer Verschlechterung der Wasserqualität führen kann und andere weniger robuste Fische arg in Mitleidenschaft zieht. Ausserdem wird es früher oder später zu eng im Becken und man muss schauen, wo man den Nachwuchs unterbringt. Nicht alle Aquarienhändler sind bereit Jungfische von Privat anzunehmen. Auch ist die Nachfrage bei privaten Aquarianern für normale Antennenwelse nicht sehr hoch. Nur wenn man einen sehr seltenen Wels hat, kann man den Nachwuchs gut verkaufen. Zum dritten wird das Männchen durch die dauernde Brutpflege sehr geschwächt, da es wie gesagt während der Zeit fast gar nichts frisst.
Was kann man denn nun tun? Hat sich das Männchen eine Höhle zur Aufzucht der Jungen gesucht, so kann man versuchen, diese zu entfernen und damit die Grundlage zur Aufzucht der Jungen zu beseitigen (es kann aber auch sein, dass der Vater dann einfach woanders brütet). Oder man schaut regelmässig nach, ob das Männchen irgendwo ein Gelege hütet und entfernt dies. Und wenn gar nichts hilft, muss man das Pärchen trennen.