Erste Gedanken zur Meerwasseraquaristik


Meerestiere, besonders die tropischen Arten mit ihren plakativen Farben, bizarren Formen und geheimnisvollen Verhaltensmustern üben eine ungeheure Faszination aus. Viele Aquarianer, die einst vor einem Schaubecken gestanden haben, verspüren den Wunsch in sich, in diese wundersame Welt, die sich doch sehr von der Süßwasseraquaristik unterscheidet, einzutauchen.

Ein durchaus erfüllbarer Traum!

Noch vor 20 Jahren galten viele Arten von Meerestieren in Aquarien als nicht haltbar, oder nur unter sehr hohem Aufwand. Inzwischen hat sowohl die Technik, als auch das Wissen um das Leben im Riff sehr zugenommen, so dass eine große Auswahl an Arten "mühelos" gepflegt werden kann. Zudem bringt der Handel immer neue Gattungen auf den Markt - für experimentierfreudige "Pioniere" eine ständig neue Herausforderung.
Der Hauptanteil (ca. 98 %) der Tiere sind nach wie vor Wildfänge, was aber niemanden abschrecken sollte. Die Versorgung der (vorwiegend in Europa, Asien und Nordamerika ansässigen) Meerwasseraquarianer, hier kann von ca. 1,5-2 Millionen Haushalten weltweit ausgegangen werden, stellt in den "Herkunftsländern" der Tiere inzwischen eine wichtige Einnahmequelle der Bevölkerung dar. So sind es in Sri Lanka z.B. 50.000 Menschen, deren täglich Brot der Meerestierexport darstellt, während es auf den Philippinen rund 7.000 Fischfänger gibt. Gleichzeitig wird die Bevölkerung für den Schutz des Lebensraumes Meer sensibilisiert. Kein Wunder, bedenkt man, dass 1 kg Fisch als Lebensmittel (darunter fallen auch unsere Pfleglinge) ca. 6 $ Gewinn bringt, im Gegensatz dazu 1 kg Fisch für die Aquaristik einen Gewinn von ca. 500 $. Bei Steinkorallen sieht es ähnlich aus: 1 t Steinkorallen bringen als Aquarientiere ca. 7.000 $, als Baumaterial gerade 60 $ Gewinn.

Will sich jemand mit der Meerwasseraquaristik beschäftigen, ist es hilfreich, möglichst ein paar Jahre Erfahrungen im Süßwasser (gewisse Bereiche sind vergleichbar bzw. bauen aufeinander auf) gesammelt zuhaben. Die Grundlagen der Aquaristik, vorne an die Wasserchemie sollten beherrscht werden. Ansonsten würde man sehr schnell sehr viel Geld in den Sand setzen. Obwohl die Meeresaquaristik von der Technik her längst nicht so teuer sein muss, wie es der Handel uns vermittelt.

Wichtig ist, dass man sich im Voraus über seine Ziele klar ist.
In der Regel wird man sich ein Becken mit tropischen oder subtropischen Tieren zulegen, da Tiere aus den kälteren Meeren praktisch nicht erhältlich sind, und zudem der technische Aufwand, diese Anlagen zu kühlen, sehr groß und teuer ist.

Was es denn so alles gibt: Es gibt allerdings noch weitaus mehr Möglichkeiten und ein späterer Umbau ist immer schlecht. Informationen sammeln und im Voraus planen ist also quasi Pflicht.

Ebenso gibt es verschiedene Wege, sein Becken stabil zu halten: Auch die Beleuchtungserfordernisse schwanke sehr ,je nach gewünschtem Besatz . Von der Leuchtstoffröhre bis hin zur Licht-und Wattstarken Hqi-Beleuchtung...

Ihr seht: Viele Möglichkeiten, viel im Voraus zu überdenken. Detailliertere Informationen findet ihr im Forum in der entsprechenden Rubrik.

Der große Unterschied zum Süßwasser besteht darin, dass die Tiere aus einer ungeheuren Wassermenge kommen, die sich von ihren Parametern her praktisch nicht verändert. So haben die Tiere niemals Toleranzen gegenüber Veränderungen ihres Mediums entwickeln müssen, anders als im Süßwasser, wo jede Pfütze, jeder Bach nach ein paar Regentropfen oder ein paar Stunden Sonnenschein andere Werte aufweisen. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, ständig die Wasserqualität und die Lebensbedingungen zu überprüfen und zu auszugleichen.

Kurz noch ein bisschen Theorie:

Wasser: Das Wasser wird mit ca. 32 g Salz pro Liter angerührt, dieses Spezialsalz ist bei jedem Händler, der Meerwasser führt, zu kaufen. Es enthält neben ca. 76 % Natriumchlorid (Kochsalz) noch 24 % Mineralien, Spurenelemente sowie Vitamine.

Tiere: Die Tiere werden unterteilt in Fische und Wirbellose. Die Gruppe der Wirbellosen umfasst praktisch alles außer Fische: Korallen, Anemonen, Krebstiere, Würmer, Schnecken, Schwämme, Stachelhäuter (See-, Haar- und Schlangensterne) sowie den Freund aller Badenden, den Seeigel aber auch die verschiedenen Seegurken
Diese Liste könnte noch lange weitergeführt werden, ein unendliches Gebiet.

Pflanzen gibt es außer den praktisch nicht haltbaren Seegräsern und den immer mehr in Mode kommenden Mangroven (die meines Erachtens eher in ein Brackwasserbecken gehören) keine.
Dafür bestehen unendlich viele Arten von Algen, von denen die so genannten höheren Algen, allen voran die Caulerpas, eine große Anzahl dekorativer "Pflanzen" hervorgebracht haben.

Soweit einen ersten Überblick, die oben genannten Zahlen stammen aus einer Studie des UNEP World Conservation Monitoring Centre aus dem Jahre 2003. Wer’s nachlesen will: www.unep-wcmc.org

Wir hoffen, die Vielzahl der Begriffe und notwendigen Überlegungen schreckt Euch nicht ab, es einmal mit einem Meerwasserbecken zu versuchen. Es soll damit nur gezeigt werden, wie vielschichtig und komplex dieser Zweig der Aquaristik ist. Im Forum könnt ihr Euch detailliert über Fragen der Technik und Gestaltung eines Meerwasserbeckens informieren und erfahren, welche Lebensformen es im Meer alles gibt und wie man sie am besten hält.

Übrigens: solltet ihr in Zusammenhang mit Meerwasser-Aquaristik mal das Wort "Nudelwasser" hören...
...so ist es ein bedauernder Stoßseufzer von Süßwasseraquarianern, die erkennen und sich selbst eingestehen, dass ihre Fähigkeiten niemals ausreichen werden ,um sich mit der hohen Schule der Aquaristik beschäftigen zu dürfen ... *zwinker*