Vergesellschaftung, was ist zu beachten?


Beim Bummel durch Aquarienbücher oder Zooläden wird man sicherlich auf sehr viele Fische, Garnelen, Krebse und andere Lebewesen stossen, deren Aussehen und Verhalten einen in den Bann ziehen und die man gern in seinem eigenen Aquarium pflegen möchte.
Aber Vorsicht nicht alle Kombinationen lassen sich realisieren und nur wenn sich die Tiere wohlfühlen, werden sie uns auch wirklich Freude bereiten. Daher ist eine genaue Planung und Information vor dem Kauf sehr wichtig. Ansonsten wird man vielleicht eine böse Überraschung erleben.

Wenn ihr eine Art gefunden habt, die ihr unbedingt in Eurem Becken halten wollt, solltet ihr Euch in verschiedenen Quellen über folgende Punkte informieren:
- Endgrösse der Fische
- benötigte Wasserwerte
- Schwimmraum
- Lebensweise (Schwarmfisch, Päärchenhaltung, Einzelgänger)
- Revieransprüche
- Ansprüche ans Futter
- Besonderheiten (besondere Einrichtung im Becken notwendig, geht die Art an Aquarienpflanzen, Empfindlichkeit)

Die Endgrösse der Fische ist meist das erste Ausscheidungskriterium bei der Auswahl der Fische. Um den Tieren genügend Bewegungsfreiheit zu geben, sollte die Endgrösse nicht mehr als 1/15-tel der Beckenlänge betragen (also bei 1-Meter-Becken 7cm). Bei Schwarmfischen oder sehr schwimmfreudigen Fischen eher noch kleiner. Gerade in Stresssituationen schiessen die Fische oft pfeilschnell durchs Becken und können bei zu kleinen Aquarien gegen die Scheibe knallen und sich ernsthaft verletzen.
ACHTUNG:Lasst Euch nicht von der Grösse der Fische im Händlerbecken beeinflussen. Dort werden meist Jungfische angeboten, die noch sehr gross werden können!

Ebenso sind die Wasserwerte zu beachten. Ihr solltet Euch vorher informieren, welche Härte (GH und KH) und PH-Wert ihr in Eurem Becken habt und welche Ansprüche, die Fische stellen. Tiere, die eigentlich in sehr weichem Wasser leben, sollten nicht in hartem Wasser gehalten werden und umgedreht.

Der Schwimmraum bezeichnet die Region im Becken an dem sich die Fische am meisten aufhalten. So gibt es typische Bodenbewohner, Fische die vor allem im mittleren Bereich schwimmen und Fische die sich fast ausschliesslich an der Wasseroberfläche aufhalten. Man sollte bei der Vergesellschaftung von Fischen darauf achten, das alle Wasserschichten nur mässig besiedelt sind. Denn auch ein Bodenbewohner wird mal in der Mitte schwimmen oder ein Fisch von der Wasseroberfläche an den Boden kommen und dann sollte es nicht im jeweiligen Bereich zu eng werden.
Daher auch unser Ratschlag: bei kleineren Becken pro Bereich nur eine Art zu wählen.

Die Lebensweise der Fische ist wichtig, damit ihr wisst, wieviele Exemplare man denn braucht, um die Tiere artgerecht zu halten. Schwarmfische sollten mind. zu zehnt gehalten werden, wobei die Erfahrung zeigt, dass je grösser der Schwarm ist, umso eindrucksvoller wirkt er.
Fische, die in Gruppen leben sollten mind. zu fünft gehalten werden. Diese werden sich zwar nicht zu einem typischen Schwarm zusammenschliessen, sondern auch einzeln durchs Becken streifen, aber trotzdem brauchen sie immer Blickkontakt zu Artgenossen und häufig finden sich bei Gefahr alle in einem Trupp zusammen.
Daneben gibt es noch Tiere, die nur als Päärchen gehalten werden dürfen oder die fast gänzlich Einzelgänger sind. Artgenossen werden meist verjagt oder wenn nicht genügend Ausweichmöglichkeiten vorhanden sind sogar getötet.

Zum Thema Revieransprüche solltet ihr Euch ganz genau informieren. Viele eigentlich friedliche Fische werden gerade in der Paarungszeit zu wahren Ungeheuern und verjagen alle Tiere aus ihrem Revier, welches im Zweifelsfall auch das ganze Becken sein kann. Können die anderen Fische nicht ausweichen oder sich verstecken, kann es durchaus sein, dass diese zu Tode gehetzt werden.
Das trifft nicht nur für Einzelgänger zu, sondern auch Schwarmfische können durchaus ein kleines Revier beanspruchen, welches sie gegen ihre Artgenossen verteidigen. Daher ist es notwendig für alle Beteiligten genügend Platz und Versteckmöglichkeiten zur Verfügung zu stellen.

Bei den Ansprüchen ans Futter ist besonders abzuklären, ob sich die gewünschte Art auch mit Frost- oder Trockenfutter zufrieden gibt, oder eventuell nur Lebendfutter frisst. Dies ist dann natürlich auch in ausreichender Menge zur Verfügung zu stellen.
Einige Arten sind auch richtige Futterspezialisten, die ohne ihre Leibspeise verhungern.
Und man sollte sich natürlich auch informieren, ob die gewünschte Art eventuell andere Beckenbewohner frisst, dies könnte sonst sehr teures Lebendfutter werden.

Welche Besonderheiten können sonst noch auftreten? Es ist zum Beispiel zu klären, ob die Fische einen speziellen Bodengrund benötigen. Einige Arten können beispielsweise nur auf Sandboden artgerecht gehalten werden, weil sie dort graben und wühlen können.
Oder die Fische brauchen im Aquarium eine gewisse Anzahl an Höhlen und Unterstände als Versteckmöglichkeiten.
Wenn ihr ein schön bepflanztes Becken habt, dann erkundigt Euch, ob die neuen Bewohner die Bepflanzung in Ruhe lassen. Einige Arten sind ausgesprochene Pflanzenfresser, die gerade empfindliche und langsam wachsende Arten innerhalb kurzer Zeit ruinieren können. Oder aber die Fische buddeln sehr gern und werden Stück für Stück die Pflanzen aus dem Boden holen.
Es ist auch zu klären wie dicht das Becken bepflanzt sein muss oder darf. Einige Arten brauchen ein Pflanzendickicht als Versteck während andere Arten eher freie Flächen zum schwimmen brauchen.
Zu guter letzt gibt es auch unter den Fischen einige empfindliche Arten, die sich nur im Artaqurium halten lassen, da weitere Fischarten zuviel Stress für die Tiere bedeuten bzw. sie sich gegen Nahrungskonkurrenten nicht durchsetzen können und verhungern.

Die oben genannten Punkte schränken die Vergesellschaftung von Fischen zwar etwas ein, machen es aber nicht unmöglich Euer Becken doch nicht mit einer farbenfrohen und interessanten Fischgemeinschaft zu bestücken. In der Natur leben ja auch viele verschiedene Arten auf engsten Raum friedlich miteinander zusammen. Mit ein bisschen Geduld werdet ihr bestimmt einen schönen Besatz für Euer Becken finden.

Und zum Schluss noch ein kleiner Ratschlag: Bevor ihr Euch neue Fische kauft, fragt lieber noch einmal im Forum nach. Denn auch Arten die auf den ersten Blick prima zusammenpassen, können im Zweifelsfall viel Ärger bereiten und wahrscheinlich hat der eine oder andere User schon seine Erfahrungen gesammelt.